Montag, 17. März 2014

Je traumatischer das Drama desto dramatischer das Trauma

Mein Neffe sagte neulich zu mir, dass er beim nächsten Mal gerne im Publikum sitzen möchte, wenn ich einen neuen Text geschrieben habe und auf der Bühne vortrage. Mein Neffe ist 14. Darum sollte ich ein bisschen aufpassen und mir ganz genau überlegen, was für einen Text ich schreibe.

Immerhin hat der Junge mir schon im Alter von 11 Jahren vorgeworfen, dass ich für sein erstes Kindheitstrauma verantwortlich bin. Das hat er wortwörtlich so gesagt, diese bekloppte Göre. Ausgelöst wurde sein Trauma durch ein ursprünglich ganz harmloses Gespräch mit mir, bis ich aufeinmal irgendwie in die peinliche Situation kam, in der ich ihm gestehen musste, dass ich in meinem Leben ----- schon mal Sex hatte!

Diese Information war für den Ärmsten mehr als er verkraften konnte. Es gab ein riesen Geschrei und von ihm fielen Sätze wie: "Oh Gott, nein! Ich bin zu jung zum Sterben!" und "Igitt, in deinem Alter!" Womit er natürlich nicht ganz unrecht hatte. Immerhin war ich zu dem Zeitpunkt schon 33 Jahre alt! In dem Alter sollte man wirklich keinen Sex mehr haben... Sex ist nur was für Teenager und Obdachlose.

Wenn es nach meinem Neffen ginge, hätte ich allerdings auch als Teenager keinen Sex haben dürfen. Schließlich bin ich seine Tante und somit für ihn asexueller als ne Rolle Klopapier. In den unschuldigen Augen eines Kindes ist die eigene Tante nichts weiter als eine mit rosa Zuckerwatte gefüllte Elfe, die unter einem Regenbogen haust und hin und wieder ein paar Blumen oder Bonbons auspupst.

Nachdem ich diese Illusion nun zerstört habe, bin ich heute für meinen Neffen nur noch eine nymphomane Sexsüchtige, die sogar einen Hydranten ficken würde. Immer wenn er mich seitdem besucht und ich ihn mit den unschuldigen Worten : "Na, mein Hase?" begrüße, wirft er mir diesen argwöhnischen Blick zu und sagt: "Du hast es doch schon wieder getrieben!"

Ich kann ihn ja verstehen. Ich kann mir wirklich gut vorstellen, wie ihm zumute sein muss. Erst vor ein paar Wochen habe ich selbst ein weiteres Trauma in meinem Leben verkraften müssen. Mein armer, alter Vater, schon etwas dement, stand gerade für das kleine Geschäft mit heruntergelassener Hose im Bad und hatte vergessen, die Tür zu schließen. Und schwupps, schon hatte ich mein jüngstes Trauma erfahren, als ich mal aufs Klo musste.

So schnell kann's gehen. In der einen Sekunde überlegst du, was du zum Mittag kochen sollst, in der nächsten Sekunde siehst du deinen Vater nackt, und dieser Anblick erscheint dir wie ein Autounfall, bei dem man nicht hinsehen will, seine Blicke aber auch nicht abwenden kann. Das ist also die Geschichte zu meinem aktuellen Trauma. Im Alter von 36 Jahren habe ich zum ersten mal in meinem Leben meinen Vater nackt gesehen. Und jetzt muss ich auf eine Sonderschule gehen...

Deshalb möchte ich auf keinen Fall für ein weiteres Trauma im Leben meines Neffen verantwortlich sein. Darum sollen sich gefälligst seine Eltern kümmern. Schließlich ist es deren Aufgabe sein Leben zu zerstören und nicht meine. Außerdem habe ich meinen Beitrag dazu ja wohl schon geleistet.  

Sonntag, 22. September 2013

Text mit ohne Name


Andreas Altmann hat mal gesagt: „Die Sprache ist das Beste, das wir Deutschen erfunden haben“. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass nicht die Deutschen die Sprache erfunden haben, sondern sie evolutionsbedingt entstanden ist, aber wir wissen ja, was er meint. Er hat Recht. Mit Sprache kann man viel erreichen. Mit Worten. Mit lieblichen Worten. Männer mögen liebliche Worte. Genau damit hatte ich damals meinen Freund für mich gewonnen. 
Das nächste Mal werd ich schön die Klappe halten.
Aber das ist auch Vergangenheit, dieser Freund ist inzwischen nur noch ein Ex-Freund. Etwa vier Wochen nach unserer Trennung haben wir uns in einer Kneipe auf ein Bier getroffen, schließlich ist man ja im Guten auseinandergegangen. Und als ich dann diesen jungen Mann dort sitzen und auf mich warten sah, mit einem Lächeln auf den Lippen und den zärtlichen Worten, die jede Frau gerne hört: ‚Na du? Hübsche?’, da dachte ich: 
„Wäh! Kleb ihm eine und sieh bloß zu, dass du nach Hause kommst!“

Aber ich hab ihm keine geklebt und ich bin auch nicht nach Hause gegangen, sondern ich habe mir das ganze erbärmliche Theater bis zum Schluss angetan.
Nach den üblichen Floskeln, die man eben so austauscht, wenn man einander nicht wirklich etwas zu sagen hat, kam von ihm dann schließlich die Frage, die irgendwann kommen MUSSTE:

„Ach Mensch, warum hat es mit UNS eigentlich nicht geklappt?“

„Maann, jetzt geht DAS wieder los! Ich hab’s dir schon mal gesagt. Ich weiß, dass du im Bett auf ‚verrückte’ und ‚abgefahrene Spiele’ stehst, aber nur weil eine Frau zu dir sagt, dass sie sexuell aufgeschlossen ist, darfst du trotzdem NIEMALS mit einer Glühbirne angeschissen kommen. Geschweige denn mit einem Hamster. Und einer Erwachsenenwindel… Ich hab keine Ahnung, was du dir dabei gedacht hast, aber das kannst du dir schön mit ner anderen denken! Du perverser Vogel…“

„Ja, das war nicht so dein Ding, ne?“

„Aaach halt die Klappe…!“

„Trotzdem finde ich, dass wir viel mehr Zeit miteinander verbringen sollten“

ICH finde nicht. Sieh uns doch mal an. Ich bin, was, 18, vielleicht 19 Jahre alt. Du bist Mitte 60. das KANN doch gar nicht funktionieren"

"Na ja, abgesehen davon, dass du stramm auf die 40 zugehst und ich drei Jahre jünger bin als du, finde ich trotzdem, dass überhaupt nichts dagegen spricht, wenn wir und viel öfter sehen würden"

„Hast du das Konzept einer Trennung überhaupt verstanden?“

„Klar hab ich. Aber wenn wir mehr Zeit miteinander verbrächten, könntest du sehen, wie ich WIRKLICH bin. Dass es da einen Mann gibt, der dich auf Händen tragen und dir jeden Wunsch von den Augen ablesen würde“

„Hmhm, hmhm…. Aber dieser Mann wärst immer noch du, oder?“

„Ja. Und nein. Der alte Hans ist nämlich tot und du könntest alle Vorzüge des neuen Hans vollkommen genießen“

„Na, ich weiß ja nicht. Der "neue" Hans. Die GESTAPO wurde 45 auch abgeschafft, nur um wenige Jahre später in der DDR die Stasi einzuführen. Pest und Cholera. Die Nazis halten sich auch für eine reine und hochwertige Rasse, aber so wirklich taugen die dann letztendlich DOCH zu nichts“

„Ja, aber du willst mich doch nicht mit den Nazis vergleichen“

„Ich vergleich dich nicht mit den Nazis, ich vergleich dich mit deren Grundeinstellung“

„Du bist lustig“

„Und DU hast nicht mehr alle Tassen im Schrank. `diot…“

„Du bist immer noch dieselbe bissige Frau wie eh und je, oder?“

„Ja Hans, und du bist immer noch dasselbe Mädchen wie eh und je“

„Hmm, Mandana, mich macht es richtig scharf, wenn du immer so vermeckert bist… Und soll ich dir nochwas  sagen?“

„Na was denn?“

„Mein letztes Vögeln war mit dir“

„Ja, mein letztes Vögeln war auch mit mir“

„Aber sag mal jetzt bitte im Ernst, denkst du, dass es auch nur die geringste Chance gibt, dass es mit uns noch mal was werden könnte?“

"Ach weißt du was, ganz ehrlich. Ich finde, das Leben ist schon traurig genug, auch ohne dass zwei zu kurz gekommene Verlierer wie wir es sind sich zusammentun, nur um miteinander einsam zu sein. So armselig dürfen noch nicht einmal WIR sein."

Und so kam es also, dass jeder von uns seiner eigenen Wege ging. Und die Moral von der Geschichte, um es in Berthold Brecht's Worten zu sagen: Wer A sagt muss nicht B sagen, er kann auch erkennen, dass A falsch war.

Samstag, 24. August 2013

Vorstellungsgespräch

Immer wieder werde ich zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, aber nie bekomme die Stelle, trotz jahrelanger Berufserfahrung im Behindertenbereich. Ich kann mir überhaupt nicht erklären, woran das liegt. Die sagen am Ende des Gesprächs immer das Gleiche: "Wir melden uns dann bei ihnen", und ich weiß genau, was das bedeutet. Die melden sich nie wieder.

Mein letztes Vorstellungsgespräch hatte ich beim EJF, einer kirchlichen Einrichtung der Behindertenhilfe. Pünktlich um zehn Uhr stand ich vor dem Zimmer der Leitung und klopfte. Die Tür wurde geöffnet und ein wirklich sehr, sehr junger Mann stand mir gegenüber. Vielleicht ein Zivi, dachte ich, aber die wurden ja für gewöhnlich nicht in der Geschäftsstelle eingesetzt. Irritiert sagte ich:
 
Ich: "Entschuldigen sie, mein Name ist Katebian. Ich habe heute um zehn Uhr einen Termin bei Herrn Müller"

Hr. Müller: "Ja, das bin ich. Guten Tag, Frau Katebian, kommen sie rein, setzen sie sich"

Ich: Wie... Sie sind doch wohl hier nicht die Leitung, oder?"

Hr. Müller: "Doch, bin ich. Wieso überrascht sie das so?"

Ich: "Hä? Haben sie sich mal angesehen? Als Autoritätsperson gehen sie ja wohl nicht gerade durch, oder? Ich meine, wie alt sind sie, drei?"

Hr. Müller: "Wie bitte?"

Ich: "Ach, na kommense! Ich wette mit ihnen um ne Kiste Bier, dass ich schon in dem Job gearbeitet habe, als ihr Vater sie noch im Sack spazieren getragen hat"

Hr. Müller: "Was??"

Ich: "Ich wollte eigentlich nur sagen, dass ich so einen jungen Mann wie sie nicht in der Leitungsposition erwartet hatte. Das können sie als Kompliment auffassen. Also, wenn sie wollen"

Hr. Müller: "Na, Frau Katebian, da haben sie die Kurve aber gerade nochmal gekriegt, nicht? Na schön, ich würde sagen, dass wir am besten keine Zeit verlieren und gleich mit dem Vorstellungsgespräch beginnen. Also gut. Warum haben sie sich denn bei uns beworben?"

Ich: "Na, weil die Stelle doch ausgeschrieben war..."

Hr. Müller: "Jaja sicher, aber ich meine, warum ausgerechnet in unserem Haus?"

Ich: "Woher soll ich'n das wissen? Höchstwahrscheinlich, weil in ihrem Haus gerade ne Stelle zu besetzen ist, oder?"

Hr. Müller: "Machen sie jetzt Witze?"

Ich: "Nee. Aber wo wir gerade von Witzen sprechen, kennen sie den schon? Wohin geht ein Mann, wenn er keinen hochkriegt? Nach Kanada. Kana hier nicht, kana da"

Hr. Müller: "Ja, vielleicht können wir jetzt wieder zu unserem Gespräch zurückkommen? Danke. Haben sie denn auch Erfahrungen im pflegerischen Bereich?"

Ich: "Ja, worauf sie einen lassen können. Ich habe in meinem Leben schon so viele Hintern abgewischt, dass es sich lohnen würde, dafür Punkte zu sammeln. Pro Hintern drei Treuepunkte. Und wenn die sich dann auch noch in Bargeld einlösen ließen, wär ich jetzt sorgenfrei, das könnense aber wissen"

Hr. Müller: "Aha. Und haben sie auch Erfahrungen, sagen wir, zum Beispiel im Stellen von Medikamenten?"

Ich: "Haha... So einer sind sie also! Sie haben wohl auch schon mal was mitgehen lassen, nicht? Aber das bleibt unter uns. Also bei mir war's Haldol, Melleril, ein bisschen Valproinsäure, Diazepam.... obwohl das mit dem Diazepam eigentlich nicht richtig zählt, das war ne Rektiole. Das hab ich aber erst gemerkt, als ich schon zuhause war. Die hab ich mir bestimmt nicht in den Hintern geschoben... Na, und dann noch ein bisschen Carbamazepin. Für die Kloppies macht es eh keinen Unterschied, wenn man denen ab und zu mal ein paar Tabletten wegnimmt. Es ist ja auch schließlich nicht so, dass sie durch die Pillen auf einmal wieder richtig ticken würden, oder? Na jedenfalls habe ich mir dann aus den Tabletten den abgefahrensten Cocktail gemischt und dann ging die Party los! Drei Tage lang bin ich auf dem Zeug hängen geblieben, aber das war's wert...."

Hr. Müller: "Frau Katebian, ich habe sie nach ihren Erfahrungen im Stellen von Medikamenten gefragt.... nicht im Stehlen"

Ich: "Achso. Ja, stellen kann ich Medikamente natürlich auch"

Hr. Müller: "Ich wage es kaum sie zu fragen, aber wie ist ihre Einstellung zum Thema Individualisierung behinderter Menschen?"

Ich: "Individualisierung geht nicht"

Hr. Müller: "Wie meinen sie das?"

Ich: "Na, die sind eben alle gleich. Also die Behinderten. Sie wissen schon, kennste einen, kennste alle"

Hr. Müller: "Aha. Und ihre Einstellung zum Thema Selbstbestimmung?"

Ich: "Selbstbestimmung lohnt sich doch gar nicht bei denen. Das ist was für Normale. Man lässt doch einen Affen auch schließlich keine Kernphysik betreiben, nur weil er sich verwirklichen will, oder?"

Hr. Müller: "Wie lange waren sie noch gleich in der Behindertenhilfe tätig?"

Ich: "Etwas mehr als zehn Jahre"

Hr. Müller: "Und wie kam es dann dazu, dass sie jetzt nicht mehr arbeiten?"

Ich: "Ich habe mir mal ein kleines Päuschen gegönnt, um mich ein bisschen zu erholen"

Hr. Müller: "Und wie lange haben sie sich erholt?"

Ich: "Puh... Och, drei oder vier Jahre vielleicht? Ich weiß gar nicht, wer zählt da schon mit? Die Monate fliegen nur so dahin"

Hr. Müller: "Und wie kam es, dass sie diese Auszeit brauchten?"

Ich: "Weil mir das auf Dauer alles zuviel wurde. Die wollen ja auch ständig was von einem. In meinen Diensten musste ich denen ja permanent auf Abruf zur Verfügung stehen, als wär ich deren persönliche kleine Hausnutte gewesen. Aber wehe ich wollte mal ne Raucherpause machen, dann war unter Garantie immer irgendwas. 'Andreas hatte einen epileptischen Anfall, Sabine ist aus dem Rollstuhl gefallen, Monika hat aufgehört zu atmen..." Mann ey! Die haben mit ihrem ewigen Gejammer schon dafür gesorgt, dass ich nicht zu meiner Zigarettenpause kam. Unsensibles Pack...! Das wurde mir dann alles zu anstrengend"

Hr. Müller: "Sie sind also nicht sonderlich belastbar?"

Ich: "Nä! Belastbar! Haben sie jemals in der Betreuung gearbeitet? Ich weiß ja nicht wie's anderen geht, aber als ich noch gearbeitet habe, war Alkohol das Einzige, das mich davon abgehalten hat vor die U-Bahn zu springen"

Hr. Müller: "Frau Katebian, wenn sie jetzt mal nach ihrem eigenen Gefühl zum Ablauf dieses Gesprächs gingen, wie würden sie es selbst einschätzen?"

Ich: "Hm. Positiv? Bis sehr positiv?"

Hr. Müller: "Tja, da bin ich aber froh, dass ich jemanden mit so einer gesunden und realistischen Selbsteinschätzung vor mir habe"

Ich: "Ja, das ist eine meiner bemerkenswertesten Qualitäten"

Hr. Müller: "Na gut, Frau Katebian, dann danke ich ihnen erstmal für ihre Zeit"

Ich: "Ok... Das heißt?"

Hr. Müller: "Wir melden uns dann bei ihnen"

Haha... 

Sonntag, 14. April 2013

Komplimente

Seit Jahren schon hoffe ich beim Kauf von Alkohol darauf, dass man mich nach meinem Ausweis fragt. Wo ich doch so jung aussehe. Und sexy. Haha. Macht aber niemand. Wenn man für sein jugendliches Aussehen also keine Komplimente mehr bekommt, muss man die Leute eben durch umgekehrte Psychologie dazu zwingen, einem welche zu machen.

Als ich vergangene Woche bei Real eine Flasche Gin kaufen wollte und die Kassiererin die Flasche ausdruckslos über den Scanner zog, half ich ihr ein wenig auf die Sprünge.

Empört sagte ich: "Entschuldigen sie mal, sie lassen mich ohne Weiteres diese Flasche Gin kaufen, ohne mich nach meinem Ausweis zu fragen?"

Sie (irritiert): "Sind sie denn noch nicht volljährig?"

Ich: "Das steht ÜÜÜBERHAUPT nicht zur Debatte!"

Sie (verunsichert): "Äh... kann ich vielleicht mal ihren Ausweis sehen?"

Ich (zufrieden): "Ach Mensch, das ist ja mal ein schönes Kompliment. Dabei werde ich dieses Jahr noch 36..."

Die arme Kassiererin. Aber zumindest kann ICH von mir behaupten, beim Kauf von Alkohol immer noch nach meinem Ausweis gefragt zu werden...

Donnerstag, 20. September 2012

Abgelehnt!


Ich habe einen Romaaaan geschrieben und verschiedene Leseproben bei unterschiedlichen Verlagen eingereicht. Bei Suuuuhrkamp, Piiiiper und vom Dtv habe ich jetzt eine Ablehnung bekommen.

„Aus rein verlagstechnischen Gründen können wir ihr Manuskript leider nicht berücksichtigen…“

Ja genau, und im Himmel ist Jahrmarkt! Das stimmt überhaupt nicht! Die haben mich gar nicht aus „verlagstechnischen Gründen“ abgelehnt, die wollen meinen Roman nämlich nur nicht veröffentlichen, weil der so langweilig und doof ist! Na und?! Tolstoi ist auch langweilig! Und Dostojeeeewski, und Thomas Maaaann… Alles Langweiler, aber die sitzen rum auf ihren „Zauberbergen“ und ihren „Kosaken“ und schaukeln sich die Eier mit ihren Nobelpreisen – und ihren abgelehnten Nobelpreisen… Dafür kann ICH Namen rülpsen. Interessiert AUCH keinen.

Ich hab dann gleich zu meiner Freundin gesagt, dass ich beim Dtv schön Widerspruch einlegen werde, dass die meinen langweiligen Roman gefälligst veröffentlichen sollen. Aber Suse dann gleich wieder:

„Man KANN keinen Widerspruch einlegen, wenn ein Romanvorschlag von einem Verlag abgelehnt wird“

Türlich kann ich. Ich kann machen was ich will, schließlich bin ich volljährig.

„Du kannst aber auch nicht erwarten, dass einer der größten Verlage Deutschlands gerade DEINEN Roman veröffentlicht“

Genau! Aber Goethe, ne?! DEN könnense veröffentlichen!

„Vergleichst du dich gerade mit Goethe?“ 

- - - - - - - - - - - - - - - Schnauze!

Aber mal im Ernst, was ist denn bitteschön der Unterschied zwischen Thomas Mann und mir? Ganz genau! NUR weil ich ne Tussi bin, wollen die meinen Roman nicht veröffentlichen, diese Rassisten! DAS isses nämlich! Dabei ist mein Roman mindestens GENAUSO langweilig wie der Zauberberg, aber dafür nur ein Drittel so lang. Freuen sich die Kinder.

„Na ja, Mandana, mal ganz ehrlich, hältst du deinen Roman denn eigentlich selbst für verlegungswürdig?“

Na toll Suse, du weichst schon wieder vom Thema ab! Blöde Kuh…

Na dann eben nicht. Irgendwann veröffentlichen die meinen langweiligen, dämlichen Roman schon und dann können Tolstoi und Thomas Mann mich schön an meinem fetten Schriftstellerhintern lecken… SO wird nämlich `n Schuh draus!

Samstag, 7. Juli 2012

Meine Schlafstörung und Ich

Nie kann ich schlafen! Keine Ahnung, welche Erbsen in meiner Murmel nicht rund laufen, aber es macht keinen Spaß. Andererseits muss sich jemand, der so eine verweichlichte Matschbirne hat wie ich, wohl auch nicht wundern.
Eigentlich ist es ja auch absurd zu erwarten, schlafen zu können. Schlaf ist in der heutigen Gesellschaft sowieso völlig überbewertet. Wer braucht schon Schlaf? Zur Ruhe kommen kann ich schließlich immer noch, wenn ich tot bin. Aber irgendwie ist mir etwas am Schlaf gelegen, ich weiß auch nicht woran das liegt. Klingt wunderlich, ist aber so.
Hier sitze ich also mit einem Schlafdefizit von 382 Stunden. Von meinen Augenringen will ich gar nicht erst anfangen. Ich sehe aus wie ein Waschbär. Und trotzdem weigert sich mein Körper nach wie vor beharrlich und konsequent dagegen, zu schlafen. Ich weiß nicht, was das soll. Was mein Körper aufgrund des Schlafmangels stattdessen tut, ist jedoch nicht uninteressant. Er dissoziiert. Und er halluziniert. Ja, DAS schafft er natürlich noch. Es ist logischerweise auch WESENTLICH unkomplizierter für so ein Gehirn, Erlebnisinhalte vom normalen Bewusstsein abzuspalten und auf diese Weise die Integration von Identität, Gedächtnis und Bewusstheit zu beeinträchtigen sowie Sinnestäuschungen ohne reale Wahrnehmungsobjekte hervorzurufen, als schlicht und ergreifend den Schlaf auszulösen.
Und so muss ich mich also weiterhin damit abfinden, furchtbar auszusehen. Erschöpft, abgezehrt, eingefallen, verbraucht. Und was doch am schlimmsten für eine junge und attraktive (haha) Frau ist – alt. Ich sehe alt aus. Verschrumpelt, wie eine Rosine. Neulich, als ich mit meinem Freund unterwegs war, begegnete uns auf der Straße ein junger Mann. Als er mich sah, sagte er erschrocken:
„Gott, ich dachte Johannes Heesters ist tot! Aber so wie’s aussieht, hat der Ärmste es wohl bald endgültig hinter sich….“ Volltreffer! Ich wette, dass mein Freund noch nie so stolz darauf war, mich als Freundin an seiner Seite zu haben, wie in diesem Augenblick...
Und so geht die Warterei auf den ollen Schlaf also weiter…Bekloppt, wa?


Montag, 25. Juni 2012

Ist euch sowas auch schon mal passiert?


Als ich eines Abends gegen 23.00h müde vom Spätdienst kam und in Gedanken versunken die Ackerstraße hinunterlief, verließ ein junger Mann einen kleinen Italiener gerade in dem Moment, in dem ich das Lokal passieren wollte. Ich kannte sein Gesicht, aber ich konnte es nicht einordnen. Er musste irgendwo im selben Haus arbeiten wie ich, da war ich mir sicher, und in Sekundenschnelle ratterte mein Verstand sämtliche Möglichkeiten durch: Praktikant, Zivi, BSJler, Reinigungskraft… ich fand es nicht. Und da er mich höchstwahrscheinlich genauso vergeblich einzuordnen versuchte wie ich ihn, ergriff ich als emanzipierte Frau schließlich die Initiative (was hat das eigentlich mit emanzipiert zu tun?) und sagte etwas bedeppert, weil ich so übermüdet war:
„Du kommst mir so bekannt vor, wir kennen uns doch von irgendwoher?“
Der junge Mann grinste spöttisch und schüttelte den Kopf.
„Eher nicht“, antwortete er.
In eben diesem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen und mir wurde siedendheiß bewusst, was Sache war. Erschrocken sagte ich:
„Owei, jetzt hab ich’s gerafft… tschuldigung…!“
„Kein Problem“, antwortete Daniel Brühl belustigt und ich eilte beschämt weiter.
Oh Mann, in Mitte sieht man die Groupies vor lauter Schauspielern nicht. Oder so ähnlich.